Konzentration & Aufmerksamkeit, AD(H)S
Ergo.Wissen Infothek
Aufmerksamkeit, mein Sohn, ist, was ich dir empfehle, bei dem, wobei du bist, zu sein mit ganzer Seele.“
— Friedrich Rückert, deutscher Dichter
Konzentration & Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist der Zustand konzentrierter Bewusstheit, einhergehend mit der Bereitschaft des zentralen Nervensystems, sensitiv zu reagieren. Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Basisleistungen des Gehirns, andere Hirnleistungen sind auf die Intaktheit und Verfügbarkeit angewiesen. (Haus, 2005)
Eine wunderbare Erkenntnis zur Aufmerksamkeit gleich vorweg – eigentlich haben alle Menschen eine Vorstellung davon, was Aufmerksamkeit und Konzentration ist. Wir erleben sie täglich, in jedem Moment, mal mehr, mal weniger, und sogar Kinder haben eine Vorstellung und ein Gefühl davon, was es bedeutet, „bei einer Sache“ zu bleiben.
Das allgegenwärtige Vorhandensein von Aufmerksamkeit bzw. Nicht – Aufmerksamkeit hat in den verschiedenen wissenschaftlichen Professionen zu einer ganzen Reihe unterschiedlicher Definitionen geführt.
Für die Ergotherapie stellt die Definition nach Haus aus dem Bereich der Neuropsychologie eine gute Grundlage dar. Dabei gibt Haus weiter an, dass eine Störung der Aufmerksamkeit das häufigste neuropsychologische Leistungsdefizit in therapeutischen Settings darstellt (Prosiegel 1998 nach Haus 2005).

Aufmerksamkeit = Konzentration?
Umgangssprachlich werden Aufmerksamkeit und Konzentration oft als Synonyme verstanden. Wissenschaftlich betrachtet gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Modelle für die verschiedenen Komponenten der (visuellen, emotionalen, sozialen, kognitiven) Aufmerksamkeit (AWMF 2017).
Hoher Konsens besteht in den folgenden vier Aufmerksamkeitskomponenten, die in unserer Fortbildungsreihe näher dargestellt und auf den (ergotherapeutischen) Alltag übertragen werden (Jacobs/Petermann 2013).
ADHS – ein Zeitgeist?
Das Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivität)-Syndrom, kurz AD(H)S, gewann in den letzten Jahrzehnten an enormer diagnostischer und therapeutischer Relevanz.
Gründe dafür gibt es viele. Sicherlich ist einerseits ein steigendes, gesellschaftliches Bewusstsein für die Diagnose AD(H)S entwickelt worden, gerade auch durch die mediale Berichterstattung und gerade auch für das Erwachsenenalter.
Weiter wurden für den Bereich der Pädiatrie die Untersuchungs- und Testkapazitäten in den letzten zwei Jahrzehnten massiv erweitert, ganz im Sinne von – „wer suchet / testet, der findet!“
Oftmals und leider gibt es immer noch eine sehr defizitorientierte und pathologische Sichtweise auf AD(H)S, ohne dabei mögliche individuelle Stärken zu berücksichtigen.

Was ist nun AD(H)S?
Eines vorweg:Konzentration bzw. keine Konzentration / Unaufmerksamkeit gehört zu AD(H)S als Teilaspekt der Diagnose. Weitergehend gehören die Aspekte Impulsivität und Hyperaktivität zum diagnostischen Verständnis internationaler Richtlinien.
Die Diagnostik von AD(H)S umfasst zudem zahlreiche weitere Beobachtungsaspekte aus verschiedenen Lebenswelten. So werden auch das Sozialverhalten und die Emotionen bei der Diagnosestellung berücksichtigt.
Generell müssen für die Stellung einer Diagnose übergreifende Einschränkungen der gesellschaftlichen Teilhabe in verschiedenen Lebensbereichen bestehen. Es müssen also sowohl Probleme zu Hause als auch in der Schule, in der Freizeit und / oder im Beruf auftreten.
Eine offiziell anerkannte Definition von AD(H)S, nach der auch Diagnostik-Handbücher wie die ICD 10/11 und das DSM V arbeiten, ist die Definition der amerikanischen Vereinigung der Psychologen und Psychiater APA (American Psychiatric Association).
„AD(H)S liegt vor, wenn unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist, nicht dem Alter und Entwicklungsstand entspricht und zu deutlicher Beeinträchtigung in verschiedenen sozialen Bezugssystemen und im Leistungsbereich von Schule und Beruf führt.“ (APA, 2019)
Es muss also ein Trias an Symptomen vorliegen aus den Bereichen: Hyperaktivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit
In der Fortbildung „Konzentrieren leicht gemacht (Refresher Pädiatrie)“ sowie in den kurzen Webinaren (4UE) lernen Sie neben den verschiedenen Aspekten von Aufmerksamkeit und Konzentration auch vieles zu AD(H)S kennen.
- (Ergo-)praxistaugliche Diagnostik-Instrumente werden vorgestellt
- Strukturierte und wissenschaftlich evaluierte Therapieangebote werden erörtert und selbst ausprobiert
- Eine ressourcenorientierte und empowernde Elternarbeit wird erarbeitet
Literatur
AWMF (2017). Langfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Zuletzt aufgerufen am 7.5.2019 unter: https://register.awmf.org/de/start
Haus K., (2005). Neurophysiologische Behandlung bei Erwachsenen in der Ergotherapie, Springer Verlag. Heidelberg
Jacobs C., Petermann F. (2013). Training für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen – das neuropsychologische Gruppentraining ATTENTIONER. 3. überarbeitete Auflage. Hogrefe Verlag. Göttingen
AWMF (2017). Langfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Zuletzt aufgerufen am 7.5.2019 unter: https://register.awmf.org/de/start
