Ergotherapie Infothek

Hier finden Sie Wissen rund um die Ergotherapie

Ergotherapie ist eine Profession im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, die darauf abzielt, Menschen in all ihrer Vielfalt zu befähigen, ihr Recht auf bedeutungsvolle Betätigung wahrzunehmen, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten und an der Gesellschaft teilzuhaben.“

— Deutscher Verband Ergotherapie – DVE (2025)

Ergotherapie ist eine Hilfe zur (Wieder-)Erlangung von Gesundheit und der Selbstständigkeit

Die Ergotherapie gehört im deutschen Gesundheitssystem zu den Heilmittelberufen, die nach ärztlicher Verordnung tätig werden können. Dabei sind alle Ärzte und Ärztinnen sowie approbierte Psychotherapeut:innen in der Lage, eine Heilmittel-Verordnung (Rezept) für Ergotherapie auszustellen. Moderne Ergotherapie und ihre Bezugswissenschaften stützen sich auf die Rahmenempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), insbesondere auf das bio-psycho-soziale Gesundheits- und Krankheitsverständnis der WHO sowie das Salutogenese-Konzept von Aaron Antonovsky.

Die positive Sichtweise auf den Menschen wird geprägt von seinen Betätigungen und Handlungen und spiegelt einen ganzheitlich orientierten Ansatz wider, der alle Lebensbereiche und ausgeübte Rollen umfasst.

Das übergeordnete Therapieziel in der Ergotherapie ist stets die größtmögliche Partizipation der Person, also die individuelle Teilhabe im Alltag in den verschiedenen Lebenswelten und Rollen. Dabei stehen neben der individuellen Betätigung und Handlungsfähigkeit des Menschen auch das Empowerment und die Selbstverantwortung der Person im Mittelpunkt der (Wieder-)Herstellung von Gesundheit.

Die moderne, wissenschaftlich fundierte Ergotherapie nimmt dabei eine Schnittstelle zwischen medizinischen und sozialwissenschaftlichen Fachgebieten ein. In der Ausbildung bzw. im Studium, wird viel medizinisches und naturwissenschaftliches Wissen erlangt (z. B. Anatomie, Physiologie, Neurologie, Krankheitslehre, Arzneimittelkunde etc.) und mit sozialwissenschaftlichem Wissen aus den Geisteswissenschaften (z. B. Psychologie, Pädagogik, Behindertenpädagogik etc.) ergänzt. Der Beruf vereint damit in einzigartiger Weise Wissen aus der Naturwissenschaft und der Medizin mit den Geisteswissenschaften aus den Fachbereichen Psychologie und Pädagogik.

Visuelle Wahrnehmung

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Konzentration & AufmerksamkeitAD(H)S

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Elternarbeit

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Empowerment & Resilienz

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Digitale Ergotherapie

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„Vielen Dank für die sehr ausführliche und informative Darstellung zum Thema Elternarbeit. Vieles versuchen wir in der Praxis den Eltern auch so zu vermitteln, gerade was Struktur und konsequentes Verhalten angeht – selbst Lösungen zu finden, um Probleme zu verändern. Wir sind also auf dem Richtgen Weg. Es gab für mich aber auch viel neuen Input, den ich im Team mit meinen Kolleginen austauschen kann. Fazit: Wir werden unseren Elternfragebogen überarbeiten müssen. Vielen Dank im Voraus für das Digitalpaket!“

Sara K.

Die offizielle Definition des Verbandes Deutscher Ergotherapeuten (DVE)

Als Expert:innen für Betätigung arbeiten Ergotherapeut:innen mit und für Menschen, die das Anliegen oder den Bedarf haben, sich selbst, ihr Handeln und ihre Alltags- und Lebenswelt zu verändern. Um dies zu erreichen, nutzen Ergotherapeut:innen vorhandene Potenziale und entwickeln Lösungen gemeinsam mit Individuen, Gruppen, Organisationen und im Gemeinwesen, um die Handlungskompetenz, Teilhabe und Lebensqualität nachhaltig zu stärken.

Die Arbeit von Ergotherapeut:innen basiert auf ethischen Prinzipien und wissenschaftlichen Erkenntnissen, insbesondere aus der Ergotherapie- und Betätigungswissenschaft. Ergotherapeut:innen wissen, dass Gesundheit und Wohlbefinden eng mit dem Tätigsein und der Möglichkeit zur Teilhabe verbunden sind. Im Sinne kontinuierlicher Qualitätsentwicklung setzen sie sich mit sozialen Prozessen, gesellschaftlichen, technologischen sowie ökosystemischen Entwicklungen und Ereignissen auseinander und richten ihr praktisches Handeln entsprechend aus. (DVE 2025)

Geschichte der Ergotherapie

Die Ergotherapie ist weltweit noch ein recht junges Berufsbild


Im Jahr 1908 wurde der Grundstein für die Ergotherapie in Chicago mit der weltweit ersten Schule für Ergotherapeut:innen (engl. Occupational Therapist) gelegt. Vorausgegangen war die Entwicklung durch Beobachtungen in der Behandlung psychisch erkrankter Menschen, die in Kliniken Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit noch sehr rudimentär behandelt wurden und oft sich selbst überlassen wurden.

Man stellte durch Beobachtung fest, dass eine gezielte Betätigung der Personen (z. B. tätig sein in der Gärtnerei und Wäscherei) zu einer starken Verbesserung vieler psychiatrischer Grundsymptome führte. Durch die erfolgreiche Bewältigung einer Aufgabe wurden die Menschen ausgeglichener, ruhiger und die Krankheitssymptome verringerten sich. Damit war der theoretische Grundstein für die Ergotherapie gelegt. Es entwickelte sich zunehmend ein wissenschaftliches Forschungsgebiet, das alle Menschen nach Handlung und Betätigung streben und dies Einfluss und eine positive Wirkung auf die Gesundheit der Person hat. Ein Eingebundensein oder die selbstständige Ausübung bzw. die Begleitung von Betätigungen und Handlungen beeinflusst das subjektive Wohlbefinden. Dabei werden durch alltägliche Betätigungen (z. B. Erwerbs- oder Haushaltsarbeit, Kochen, Putzen, Tischgespräche, Spiele, Sport, Vereinstätigkeiten etc.) eine Reihe von motorischen, kognitiven, psychischen und sozialen Aspekten aktiviert.

Die positiven Erfahrungen mit Patient:innen aus dem psychiatrischen Umfeld und das Fehlen von Nebenwirkungen in der Ergotherapie führten in der Folge zu einem weitreichenden Ausbau ergotherapeutischer Angebote in andere medizinische Fachbereiche (z. B. Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie). Mittlerweile existieren ergotherapeutische Behandlungsansätze für eine Vielzahl von Diagnosen – vom Kindesalter (ab 2 Jahren) bis ins hohe Seniorenalter.

Ergotherapie in Deutschland


Die Ergotherapie in Deutschland wurde erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingeführt. Aufgrund der großen Zahl an Verletzten und Traumatisierten nach Kriegsende suchte man nach Behandlungsmöglichkeiten. Die ersten in Deutschland arbeitenden Ergotherapeut:innen kamen im April 1947 über das Rote Kreuz von England aus nach Deutschland und versuchten die gesundheitliche Lage der Bevölkerung im Allgemeinen sowie vor allem bei den Kriegsgeschädigten zu verbessern. Dabei waren die englischen Ergotherapeut:innen so überzeugend und erfolgreich in ihrer Arbeit, dass als Folge daraus, die erste deutsche Ergotherapieschule 1953 in Annastift bei Hannover gegründet wurde.

Aktuell gibt es in Deutschland ca. 180 Berufsfachschulen für Ergotherapie, verteilt über alle Bundesländer (Stand 2026). Gleichzeitig befindet sich das Berufsbild auf dem Weg in die Akademisierung und wird parallel an Hochschulen und Universitäten angeboten, wobei aktuell ca. 15 Studiengänge (Stand 2026) der Ergotherapie oder mit deutlichem Bezug zur Ergotherapie (z.B. Therapiewissenschaften) angeboten werden.

Die Akademisierung ist durch die zunehmende Komplexität in der Wissenschaft mehr als nötig, da Deutschland das europäische Schlusslicht in dem Prozess der Akademisierung in Europa bildet. Die immer komplexer werdende und zunehmend digital gesteuerte Versorgung von immer mehr chronisch kranken Personen einer alternden Bevölkerung macht ein hochspezifisches Wissen unter Einbezug stetig aktualisierter wissenschaftlicher Erkenntnisse unumgänglich.

(Quelle: Marquart (2004): Geschichte der Ergotherapie von 1954 – 2004, 1. Auflage, Schulz-Kirchner-Verlag, Idstein)

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