Empowerment & Resilienz
Ergo.Wissen Infothek
Man kann einem Menschen nichts beibringen, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“
— Galileo Galilei (1564 – 1641)
Empowerment
Empowerment bezeichnet einen Prozess der Selbstbemächtigung, in dem Menschen (wieder) Zugang zu ihren eigenen Stärken, Kompetenzen und Ressourcen gewinnen, um ihr Leben eigenständig, selbstbestimmt und verantwortlich gestalten zu können. Ziel ist es, Abhängigkeiten von professioneller Hilfe zu reduzieren und Handlungsspielräume zu erweitern. (Norbert Herriger)
Laut Herriger (2022) können vier verschiedene Handlungsebenen von Empowerment unterschieden werden:
- Persönliches Empowerment
- Empowerment auf Gruppenebene
- Empowerment auf Organisationsebene
- Empowerment auf politisch-struktureller Ebene

Empowerment zur kindlichen Entwicklung
Ein Ziel der Ergotherapie ist es, das Kind und dessen Umfeld adressatengerecht über die kindlichen Entwicklungsprozesse zu informieren und sie entsprechend im Wachstum zu begleiten. Dabei beinhaltet jede Entwicklung natürlicherweise auch Rückschläge – im Großen wie im Kleinen. Gemeinsam mit Eltern und Kind muss der aktuelle Entwicklungsstand betrachtet werden und durch die Bereitstellung von Informationen und Handlungsalternativen eine neue Perspektive in das Familiensystem gebracht werden.
In der Zusammenarbeit mit den Eltern wird besonders auf folgende Aspekte geachtet:
- Elterngerechte, teilnehmerorientierte Sprache
- Zur Verfügungstellung von wissenschafts- und evidenzbasierten Informationen
- Coaching muss alltagsbezogen und realitätsnah sein
Worin kann man das Umfeld und das Kind beispielsweise empowern?
- Regeln / Struktur
- Konzentration / Gedächtnis
- Wahrnehmung
- Motorik
- Lob & Verstärkung
- Netzwerkarbeit

Resilienz
Wenn sich Personen trotz gravierender Belastungen oder widriger Lebensumstände psychisch gesund entwickeln, spricht man von Resilienz. Damit ist keine angeborene Eigenschaft gemeint, sondern ein variabler und kontextabhängiger Prozess. (Fröhlich-Gildhoff & Rönnau-Böse, 2019)
Seit Anfang der 1990er Jahre wird die Resilienz in den Gesundheitswissenschaften, in der Psychologie und in der Pädagogik verstärkt in den Vordergrund gestellt.
Resilienz beschreibt ein Konzept der Widerstands- und Anpassungsfähigkeit von Menschen, das den Fokus verstärkt auf Ressourcen und Schutzfaktoren legt, ohne dabei die Barrieren und Risikofaktoren aus dem Blick zu verlieren.
Das Konzept ist stark vom Medizinsoziologen Aaron Antonovsky und seinem Salutogenese-Konzept geprägt. Neben dem Blick auf Schutz- und Risikofaktoren stellt das Konzept der Resilienz vor allem den Prozess der positiven Anpassung und der Bewältigung einer Lebenssituation in den Mittelpunkt der Betrachtung.
Eine weitere Definition von Resilienz
Resilienz beschreibt die Fähigkeit des Menschen, Schicksalsschläge zu überstehen und sich trotz traumatischer Erlebnisse weiterzuentwickeln.
Im Prozess der inneren Auseinandersetzung mit diesen Erlebnissen gelangt das Individuum allmählich dahin, das Geschehene anzunehmen, mit diesem zu leben und sich dem Leben wieder bejahend zuzuwenden (Kruse, 2015).
Laut Kruse beschreibt Resilienz einen Prozess der inneren Auseinandersetzung mit schwierigen Situationen, der auf Basis individueller Schutz- und Risikofaktoren erfolgt.
In der Fortbildungsreihe „Elternarbeit leicht gemacht – Empowerment und Resilienz als neue Leitgedanken für ein Coaching“ werden die hohe Bedeutung von Resilienz sowie der Schutz- und Risikofaktoren für eine professionelle Vorgehensweise in der Arbeit mit dem Kind und der Elternarbeit besprochen.
Literatur
Herriger, N. (2010). Empowerment in der sozialen Arbeit. Kohlhammer Verlag. Stuttgart
Herriger, N (2022). Empowerment, in: www.handbuch-empowerment.de
Fröhlich-Gildhoff, K., Rönnau-Böse M. (2019): Resilienz. 5 Auflage. UTB Verlag
Kruse A. (2015): Resilienz bis ins hohe Alter – was wir von Johann Sebastian Bach lernen können. Springer Essentials. Springer Verlag
